Hütten-Knigge

Spricht man über Berghütten in den Schweizer Alpen, so sind die damit verbundenen Erwartungen und Erfahrungen so unterschiedlich wie die Zielgruppen, welche diese Unterkünfte benützen. Ursprünglich einmal erbaut im Zuge der Entstehung des Schweizer Alpenclubs (SAC), sind Berghütten heute nicht nur Basislager für alpinistische Unternehmungen, sondern erfüllen v.a. auch die Bedürfnisse von Touristen, Wanderern, Familien, Tagesausflügler, Mountain Bikern etc.

Klar, dass dieser “Hütten-Multikulti” eine ausserordentliche Herausforderung für das Hüttenpersonal, wie auch für jeden einzelnen Besucher darstellen kann. Gewisse Regeln sind also unvermeidlich, um allen ein schönes Hüttenerlebnis zu ermöglichen. Dieser “Hütten-Knigge” soll dazu beitragen:

Vor dem Hüttenbesuch

  • Im Sommer wie im Winter sind viele Hütten v.a. bei guten Wetterprognosen sehr gut belegt. Es empfiehlt sich daher frühzeitig, aber mind. 24 Std. vor Ankunft beim Hüttenwart telefonisch entsprechende Schlafplätze/Halbpension (für Vegetarier: unbedingt erwähnen) zu reservieren. Sollte der Fall eintreten, dass man die Tour absagen oder ändern muss, sollte die Reservation immer beim Hüttenwart umgehend annulliert werden.
  • Rufen Sie wenn möglich nicht zwischen 17:30 – 20:00 in der Hütte an, denn dann ist das Hüttenpersonal mit dem Kochen bzw. der Ausgabe des Abendessens beschäftigt.
  • Ist kein Hüttenwart zu der geplanten Zeit anwesend, so sollte man trotzdem den Verantwortlichen anrufen und sich anmelden. Damit kann vermieden werden, dass es zu einer Überbelegung kommt, was für alle Betroffenen sonst sehr mühsam wird. So kann auch geklärt werden, ob es noch genug Holz, evtl. Gas, Wasser und Decken/Matratzen hat.
  • Empfohlene Utensilien für einen angenehmen Aufenthalt in der Hütte – am besten gleich in einem separaten Beutel:
    • Gehörschutzpfropfen (für ruhigen Schlaf, auch bei Geschnarche)
    • Hüttenschlafsack (manchmal sogar obligatorisch – aus hyg. Gründen, da viele Hütten entweder kratzige Militärdecken verwenden oder Duvets nur einige Male pro Jahr gewaschen werden können)
    • Stirnlampe (für nächtliche Toilettenbesuche oder Frühaufsteher)
    • Waschtüchlein (zur Körperhygiene)
    • Kleines Deodorant (zur geruchlichen Unterstützung der Körperhygiene)
  • Kleinkinder gehören nicht in eine Hütte.
  • Hunde sind normalerweise in einer Hütte nicht erlaubt und müssen draussen schlafen.

Ankunft

  • Allerspätestens zum Abendessen sollte man in der Hütte sein, besser etwas früher – Uhrzeit für das Abendessen bei der Reservation gleich anfragen (meist 18:30), am besten auch den Zeitbedarf für die geplante Anmarsch-Route angeben.
  • Mit Berg-/Skischuhen wird normalerweise nur der Schuhraum/ Eingangsbereich (allenfalls noch angrenzendes WC oder den Skiraum) betreten, wo man diese auszieht und gegen die dort bereitgestellten Hüttenschuhe auswechselt. So wird kein Dreck in die Hütte verschleppt.
  • Pickel und Seil bleiben üblicherweise im Schuhraum und werden nie in die Schlafräume genommen. Damit beschädigt man nicht die Holztäferung und verletzt auch keine anderen Besucher in den meist engen Gängen/ Räumen.
  • Am besten lässt man sich vor dem Abendessen die zugewiesenen Schlafplätze vom Hüttenpersonal zeigen. Benötigte Utensilien/Rucksack gleich mitnehmen und den Schlafplatz fertig einrichten, dass man zur Bettzeit nur noch ins Bett kriechen kann. Da die ersten Hüttenbesucher häufig schon vor der offiziellen Nachruhe schlafen gehen, stört man diese so nur noch minimal.
  • Am besten im Laufe des Abends bei günstiger Gelegenheit alle Gruppenteilnehmer ins Hüttenbuch eintragen.

Abendessen

  • Grundsätzlich ist es möglich, auch bei anwesendem Hüttenwart ohne Abendessen zu buchen und sich das Essen selber zuzubereiten. Die genaue Organisation kann beim Hüttenwart erfragt werden. Es ist aber heutzutage eher selten geworden.
  • Fürs Abendessen werden die Tische üblicherweise vom Hüttenpersonal mit Namen angeschrieben. Jeder hat also einen zugewiesenen Platz. In gewissen Hütten muss in mehreren Schichten gegessen werden, also vorher beim Hüttenwart nachfragen, in welcher Schicht man isst.
  • Meistens wird das Essen in Schalen/ Gefässen für den gesamten Tisch serviert, wo jeder selbst schöpfen muss. Obwohl meistens genug Essen da ist, sollte nicht gleich der Erste die Schlüssel für sich alleine leermachen. In guten Hütten kann man meist einen Nachschlag kriegen.
  • Meist gibt es 4 Gänge (Suppe/ Brot, Salat, Hauptspeise und Dessert).
  • Das Besteck sowie das Geschirr wird normalerweise für alle Gänge wiederverwendet, damit danach nicht zuviel abgewaschen werden muss.
  • Idealerweise begleicht man die Hüttenrechnung noch am gleichen Abend. Entweder bildet sich mit der Zeit eine Schlange am Buffet oder aber der Hüttenwart macht die Runde von Tisch zu Tisch. Dabei kann man auch gleich absprechen, wann man Frühstück haben will. Möchte man noch Informationen für die folgende Tour haben, so wäre dies der ideale Moment.
  • Ein letzter Besuch am stillen Örtchen sei kurz vor dem verdienten Schlaf jedem empfohlen. Manche Toiletten sind ausserhalb des Hauptgebäudes und v.a. im Winter möchte man den Weg in Unterhosen durch die eisige Nacht möglichst vermeiden…
  • Für Frühaufsteher: Am besten schon am Vorabend den Rucksack soweit möglich vorbereiten, sodass am frühen Morgen nur noch alles bei Stirnlampenlicht wiedergefunden werden muss und man das Zimmer rasch und leise verlassen kann.

Abreisetag

  • Sobald man wach ist: Wecker abstellen! Anziehen und das Bett machen, Material einpacken und raus aus dem Schlafraum.
  • Beim Frühstück sind die Unterschiede riesig. Von Gummibrot bis Butterzopf gibt es alles, je nach Hütte. Was aber immer hilft, ist gute Laune 😉
  • Geschafft, nun kann’s wieder auf die nächste Tour los gehen!!!

Wildhorn (3247m)

Das Wildhorn ist keine 4000m hoch – es ist kein besonders beeindruckender Berg – es ist auch nicht besonders anspruchsvoll, auf seinen Gipfel zu gelangen – und genau darum ist diese Tour für diejenigen Zeitgenossen das Richtige, welche die Bergwelt so richtig geniessen möchten, ohne Heldentaten leisten zu müssen/wollen. ‘I’dr Länk’ mit dem Zug angelangt, folgt zum Schluss eine beschauliche Postautofahrt ins Iffigtal zur Iffigenalp. Gleich bei der Haltestelle lädt eine putzige Bergbeiz zum Verweilen ein, denn der Aufstieg zur Wildhornhütte beträgt von dort nur noch ca. 2h 45min.

Iffigtal, Iffigenalp             Iffigtal, Iffigenalp

Auf einem Fahrweg gehts zunächst bequem das Iffigtal hinein. Schon nach kurzer Zeit zweigt dann der schmalere Bergweg ab und steigt empor. Schnell stellt man fest, dass die Felsen und Gesteine der Umgebung ausserordentliche Unterschiede in Schichtung und Farbe aufweisen. Ein Zeichen, dass hier geologisch interessante Faltungen stattgefunden haben müssen. Tatsächlich ist es so, dass auch heute noch in der Region ums Wildhorn starke Kräfte am wirken sind. Der Druck der afrikanischen auf die europäische Kontinentalplatte ist hier sehr gross, wodurch hier eine Häufung an leichen Erdbeben festzustellen ist, wo sich diese Kräfte entladen.

 

Erdbebenereignisse in der Schweiz seit 1300.
Erdbebenereignisse in der Schweiz (250-2001)

 

Doch unsere Tour führt uns nun steiler aufwärts Richtung Iffigsee. Erst im letzten Moment beim Passieren einer passähnlichen Lücke erscheint auf einmal der türkisfarbene Iffigsee. Auf den zweiten Blick entdeckt man auch schon die Wildhornhütte etwas weiter im Tal hinten auf einem kleinen Geröllhügel.

Iffigsee, Wildhornhütte

Der Weg bis zur Hütte ist dann doch noch etwas länger als er von hier scheint. Die Wildhornhütte ist Sommer wie Winter gut besucht. Da das Wildhorn auch ein beliebtes Skitourenziel ist, muss man auch im Winter mit etwa dem gleichen hohen Aufkommen an Besuchern rechnen. Während des Sommers besteht ein Grossteil der Hüttengäste aus Wanderen, welche die ‘Tour de Wildhorn’ machen: eine alpine Wanderung von Hütte zu Hütte rund um das Wildhorn.

Das Hüttenpersonal ist sehr freundlich und gut organisiert. Einzig der Hüttenchef scheint noch ‘alte SAC-Schule’ zu sein mit dem entsprechendem Umgangston – ich hoffe mal für kommende Gäste, dass er nur einen schlechten Tag hatte!

Nach dem Frühstück um 0530 gehts los. Trotz Dunkelheit ist der Weg einfach zu finden, da man dem markierten Wanderweg zur Moräne und auf dieser hinauf folgt bis man zum Rand des Chilchigletschers gelangt. Die Dämmerung ist immer einer der schönsten Momente der Tour – man weiss sofort, dass es sich gelohnt hat in einer vollen unruhigen Hütte dicht gedrängt zu übernachten und frühmorgens aufzustehen, wenn man solche Momente wie dieses Bild zeigt erleben darf.

 

Morgendämmerung, Wildhorn

Von dort wandert man den sanft geneigten Gletscher hoch, welcher bis auf ca. 3000m aper ist und eigentlich gut ohne Steigeisen begangen werden kann. In der Lück bei Punkt 2815 wechselt man dann auf die andere Gletscherseite und damit auch über die Sprachgrenze hinweg – der Gletscher heisst hier Glacier de Ténéhet.
Schon früher soll angeblich in wärmeren Jahrhunderten diese Region als Übergang vom Wallis ins Berner Oberland benutzt worden sein. Beim Schnidejoch, welches sich in unmittelbarer Nähe befindet sollen archäologische Funde gemacht worden sein, welche bis zu 5’000 Jahre alt sein sollen! Interessanterweise finden sich im Internet Artikel, welche über diese Funde berichten aber auch solche, welche es als inszenierte Medienaktion ansehen. Es sei dem Leser überlassen, wem er Glauben schenken mag…
Nach dem Passieren der Sprachgrenze gehts es nun weiter über den flachen Gletscher. Nach kurzer Zeit taucht dann auch der Doppelgipfel des Wildhorns auf, welcher sich nur wenig über das grossräumige Eisplateau erhebt. Der letzte Abschnitt ist etwas steiler, aber ebenfalls unschwierig und kaum findet man sich auf dem ersten Wildhorngipfel mitsamt einem Gipfelkreuz wieder.

 

Gipfelkreuz, Wildhorn

Doch wer die Karte gut studiert hat weiss, dass dies eigentlich nicht der höchste Punkt des Wildhorns ist! Der hintere, über einen Verbindungsgrat erreichbare Hauptgipfel hat selbst kein Kreuz, ist aber ca. 1.5m höher. Ob man beide Gipfel besuchen will, soll jedem überlassen bleiben – die Aussicht ist auf beiden grandios…

Tödi (3614m)

Einen Berg ‘Töder’ oder ‘Ödnis’ (d’Ödi) zu nennen wie es der Ursprung des Namens des höchsten Glarner Gipfels ist, verlangt schon eine eindeutige Rechtfertigung. Von der Zürcher Seepromenade sieht er doch mit seiner flachen, weissen Kappe eher zahm aus, sodass sich schon viele Betrachter – wie auch ich in meinem Büro sitzend – auf die Spitze dieses Berges gewünscht haben. Obwohl die höchste Spitze der Glarner Alpen nicht einmal 4000m hoch ist, gilt er doch als ein schwieriger Berg. Lange galt der Weg von Linthtal über die Fridonlinshütten und den Bifertenfirn als Normalroute. In Zeiten der globalen Erwärmung ist jedoch der Gletscher so stark ausgeapert, dass zumindest im Sommer Wege durch die Gletscherabbrüche nur noch schwierig zu finden sind und sich daher die Variante vom Bündnerland aus als Alternative anbietet. Von der Puntegliashütte steigt man dabei via der Fuorcla da Punteglias zur Porta da Gliems hoch und betritt so erst auf ca. 3260m oberhalb der beiden Gletscherabbrüche den Bifertenfirn. Doch auch diese Variante hat seine Tücken, da die Porta da Gliems einen schmaler Übergang darstellt, welchen es auf steilen Firn und brüchigen Fels in ungünstiger Schichtung zu erklimmen gilt.

Porta da Gliems
Die Porta da Gliems

Neben diesen natürlichen Hindernissen kommt hinzu, dass alle Routen lang sind und eine gute Kondition verlangen. Man stelle sich vor wie es den Erstbesteigern ergangen sein muss, als sie ohne die Sicherheit von Berghütten den Gipfel erklimmen mussten. Schon sehr früh, zu Beginn es 19. Jahrhunderts, sind erste Versuche dokumentiert diesen Gipfel zu besteigen, was angeblich dann 1824 erstmals gelang. Kein Wunder also, dass berichtet wird, die Idee des SAC‘s sei am Gipfelgrat des Tödis geboren worden. Folglich ist es auch nicht erstaunlich, dass die erste SAC Hütte 1863 am Tödi gebaut wurde. Die heute nicht mehr benutzte Grünhornhütte steht etwas oberhalb der Fridolinshütten und ist heute ein Zeitzeichen der Entstehung des Schweizer Alpinismus.

In heutiger Zeit ist der Tödi vor allem auch im Winter ein lohnendes Ziel. Der verschneite Gletscher bietet potentiell bessere Verhältnisse und ein einfacheres, sichereres Begehen der Spaltenzonen. Ausserdem gibt es genussvolle, rassige Abfahrten. Da der Schnee durch die warmen Aprilwochen 07 schon stark zurückgegangen war, wählten wir den Aufstieg vom Fisetenpass über den Gemsfairenstock. Mit der Seilbahn vom Urner Boden liess sich das Skitragen auf eine Viertelstunde reduzieren und bald schon die Skitour beginnen.

Während es in Zürich wohl schon fast Badewetter war, versammelten sich wohl alle verbliebenen Wolken um den Tödi herum. Einerseits waren wir froh darum, denn so wurde es während des Aufstiegs nicht allzu heiss. Andererseits wurde dadurch die Aussicht natürlich etwas getrübt, welche auch vom Gemsfairenstock zu geniessen wäre.

Der Tödi im Nebel
Der Tödi im Nebel

Danach gings vom Gemsfairenjoch steil hinunter auf den Claridenfirn und via Begglilücke weiter hinab nach Ober Sand. Dort war bereits der Schnee verschwunden – was jedoch mehr störte war, dass jetzt Regen einsetzte – das erste Mal für mich auf einer Skitour. Bald besinnte sich das Wetter jedoch eines Besseren und wir konnten halbwegs trocken um den Ochsenstock herum zu den Fridolinshütten gelangen.
Von den Fridolinshütten gehts im Winter leicht hinunter ins Becken des Bifertenfirns (im Sommer zur Grünhornhütte und etwas schwieriger, drahtseilgesichert durch eine steile Wandstufe) und auf den Gletscher durch den ersten Abbruch am linken Gletscherrand. Danach hat man die Wahl: entweder bei guten Bedingungen direkt durch den zweiten Abbruch oder durchs Schneerus (im Sommer geht man parallel zum Schneerus auf dem Felsriff daneben hoch).

Das Schneerus
Das Schneerus

Das Schneerus lässt sich bei guten Verhältnissen mit Skiern begehen, sonst zu Fuss – je nachdem mit oder ohne Steigeisen. Am oberen Ende gelangt man wieder auf den Bifertenfirn und darauf – mehr oder weniger einfach je nach Ausaperung des Gletschers – zum Simmlergrat und zu den 3 Gipfeln des Tödis.
Da wir ins Bündnerland abfahren wollten, wählten wir einen Abstieg durch die Porta da Gliems. Diese ist durch Ketten gesichert und folgt am Gletscherrand einem abschüssigen, gerölligen Band.

Nach einer Abfahrt durch das Val Gliems war dann die Skitour auf ca. 2300m mangels Schnee zu Ende. Da das Alpentaxi nur wenig weiter als bis Alp Cavrein Sut fahren kann, war dann noch ca. 45 Min. Skitragen angesagt.

Eine tolle, abwechslungsreiche Ski-Hochtour! Wenn ich nun von meinem Büro Zürich den zahmen, weissen Firnrücken des Tödis anschaue, sehe ich ihn mit anderen Augen. Nur diejenigen, welche ihn besucht haben, wissen auch vom wilden Teil seines Wesens.

Weitere Bilder zur Tour in meinem Fotoalbum.

Gross Grünhorn (4043m)

“Gross Grünhorn? Nie gehört! Ist das etwa dasjenige bei der Grünhornhütte?” So, oder so ähnlich wird mir geantwortet, wenn ich von meiner letzten Skitour erzähle! Nur eingefleischte 4000er Sammler wissen um diesen Berg, steht er doch verdeckt inmitten der Gletscherarena von Fiescher-, Aletschgletscher und Jungfraufirn umrundet von wohlbekannten, hohen Gipfeln wie Finsteraarhorn, Aletschhorn, Fiescherhörner und anderen. Das Gross Grünhorn – einer der wohl am wenigsten bekannten 4000er der Schweizer Alpen – bietet zwar kein umfassendes, weitreichendes Panorama, ist aber dafür ein wunderbarer Balkon die Gesellschaft der anderen, hohen Nachbaren zu geniessen. Also da wären:

Aletschhorn
Das Aletschhorn (4193m)

Finsteraarhorn 
Das Finsteraarhorn (4273m)

Fiescherhörner
Die Fiescherhörner (4049m) 
 
Lauteraar- und Schreckhorn
Das Lauteraar- und Schreckhorn (4078m und 4042m)
 

Da eine Tour auf das Gross Grünhorn mindestens 3 Tage in Anspruch nimmt erstaunt es nicht, dass sich die meisten Bergsteiger an den leichter zugänglichen und bekannteren Gipfeln tummeln. Am Gross Grünhorn dagegen herrscht etwas weniger Betrieb, was aus meiner Sicht zusätzlich für diesen Berg spricht.

Nun, von weitem sieht das Gross Grünhorn eigentlich gar nicht grün aus und der Gipfel wird nicht von Wiesen begrünt, sondern von einem schmalen Firngrat. Nur wer nah genug am Gipfel ist erkennt, dass das Gestein dort Amphibol (grüne Hornblende) ist.

Gipfelstein Gross Grünhorn
Gipfelstein Gross Grünhorn

Das Gross Grünhorn wird im Sommer wie auch im Winter besucht. Wegen der Ausaperung der Route übers Grünegghorn stiegen wir stattdessen von der Konkordiahütte via Konkordiaplatz über die noch gut passierbare, vergletscherte SW-Flanke auf bis unter den Gipfelgrat auf ca. 3850m, wo wir das Skidepot erstellten. Nun gings zu Fuss bzw. mit Steigeisen über den Grat weiter – meist in leichter Blockkletterei (max. II). Eine Stelle ist etwas ausgesetzt und erinnerte mich spontan an den Kamin beim Piz Buin, wo ich 2 Wochen zuvor war.

Gratkletterei Gross Grünhorn

Gekrönt wird der Schlussaufstieg von einem schmalen, kurzen Firngrat.

Firngrat Gross Grünhorn

Um am nächsten Tag noch eine schöne Abfahrt ins Wallis anhängen zu können, stiegen wir nicht einfach wieder nur ab zum Konkordiaplatz, sondern querten danach via Grünhornlücke hinüber zur Finsteraarhornhütte. Wie auch bei der Konkordiahütte erwartet den Hüttenbesucher kurz vor dem wohlverdienten Panache noch ein kleiner, rassiger Hüttenanstieg, wo die Oberschenkel allenfalls erste Indizien geben für den aktuellen Stand der Kondition.

Schlussaufstieg zur Finsteraarhornhütte

Weitere Bilder zur Tour in meinem Fotoalbum: 1. Tag (Trugberg)2. Tag (Gross Grünhorn)3. Tag (Vorder Galmihorn)

 

Capanna Piansecco (1988m)

Die Capanna Piansecco (gehört der SAC Sektion Bellinzona) liegt im Bedrettotal am Fusse des Chüebodenhorns auf ca. 1980m. Am einfachsten ist sie zu erreichen von All’Acqua in ca. 1 Stunde auf einem idyllischen Hüttenweg durch einen lichten Tannenwald.

Capanna Piansecco

Die Hütte ist auch im Winter teilweise bewartet – kein Wunder, denn das Bedrettotal ist eines der schneereichsten Regionen der Schweiz und daher auch sehr beliebt als Zwischenstation für Skitouren in dieser Region. Da wären z.B.:

Da die Aufstiegzeit von All’Acqua nur eine Stunde beträgt, ist die Hütte wohl meistens nicht extrem überbelegt. Viele Touren lassen sich daher mit etwas Kondition auch ohne einen Hüttenzwischenstop in einem Tag absolvieren. So habe es auch ich erlebt, als ich am 03./04.Februar 07 zum Pizzo Rotondo unterwegs war und dort nächtigte.

Da sich das Hüttengewerbe v.a. aufgrund der neuen Hüttenstrategie des SAC’s immer mehr kommerzialisert, bin ich der Meinung, dass sich die Hütten demnach auch einer kritischen Beurteilung der Leistung zu unterwerfen haben. Hütten sind demnach immer weniger nur Nachtlager für Bergsteiger und Alpinisten – weswegen sie ursprünglich enstanden sind – sondern vielmehr ein Aufeinandertreffen verschiedenster Gruppierungen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen: dies können je nach Region Skitourenfahrer, Schneeschuhwanderer, Familien, Gruppen, Spaziergänger, Tagesgäste, Erholungs- und Stillesuchende, Eigenbrötler sowie Lager & Kurse etc. sein. Die Hoffnung scheint beim SAC vorzuherrschen, dass es möglich ist, alle diese Bedürfnisse in einer engen mit beschränkten Resourcen ausgerüsteten Berghütte zu erfüllen mit dem Hauptziel, genug Geld für Hüttenunterhalt und Hüttenwarte zu erwirtschaften. Das Ende der Hüttenromantik also.

Zwischen obigen Zeilen könnt ihr schon erahnen, dass ich die Strategie des SAC’s nicht befürworte! Als SAC Mitglied frage ich mich, welchen Vorteil ich eigentlich aus einer SAC Mitgliedschaft habe, wenn 1) nicht mehr die ursprüngliche Zielgruppe des SAC’s im Vordergrund steht und 2) die Übernachtungskosten sowieso nicht wesentlich tiefer sind als für Touristen aus Deutschland oder sonstwo, welche nur wenige Male Hütten besuchen. Da kann ich ja gleich proNatura Mitglied werden, dann kommst wenigstens der Natur zugute – dann zahl ich wenigstens nicht für Warmduscher oder Budget-Wanderer.

Doch ich möchte auf die kritische Beurteilung der Leistungen in Hütten zurückkommen und diese aus meiner rein subjektiven Sicht darstellen, für dieses Mal für die Capanna Piansecco – weitere werden folgen:

  • Wer vor 0700 Frühstück möchte hats schwer, beim Hüttenwart dafür Verständnis zu bekommen. Man bekommt zu verstehen, dass sie gerne nicht so früh aufstehen und alle Gäste am besten zusammen frühstücken sollen, auch wenn die Touren total unterschiedliche Anforderungen stellen.
  • Da die Hütte nur wenig belegt war, hat der Hüttenwart jede Gruppe in ein eigenes Zimmer zugeteilt. Dadurch liess sich gut Schlafen mit genug Platz.
  • Im Winter kein fliessendes Trinkwasser – muss bestellt & bezahlt werden.
  • Im Winter WC ausserhalb des Hauses, ca. 20m entfernt. Leider sind gewisse Menschen wohl vor allem in der Nacht zu faul, diese 20m zu Fuss zu gehen und verrichten ihr Geschäft daher 5m um die Eingangstüre herum. Das ist eine Sauerei!
  • Essen war gut – Suppe, Pasta und Dessert, jedoch keinen Salat wie sonst in SAC Hütten. Für Nachschlag wurde ebenfalls nachgefragt.
  • Leichte Duvets & Kissen
  • Wenig Lektüre für Belesene

Pizzo Rotondo (3192m)

Meine erste Bekanntschaft mit dem Pizzo Rotondo machte ich während meiner Tour auf das Chüebodenhorn, welches der Nachbargipfel SW ist. Schon damals haben mich die Felsformationen fasziniert. Da der Pizzo Rotondo nebenbei auch gleich der höchste Gipfel des Gotthardmassivs ist war klar, dass ich auch mal dort hoch wollte.

Pizzo Rotondo im Sommer
Der Pizzo Rotondo im Sommer

Sommer und Winter haben unterschiedliche Normalrouten. Im Sommer geht man über Geröll zuerst auf den Passo di Ruino (rechts auf dem Bild oben) hoch und folgt danach dem luftigen Grat zum Gipfel (WS/II, hier ein Tourenbeschrieb). Im Winter geht man mit Skiern bis unter einen auffälligen roten Felsen an das untere Ende eines Couloirs, welches ca. 45 Grad steil links vom Gipfel auf den Grat hochsteigt. Vom Skidepot steigt man zu Fuss (WS, evtl. Pickel/Steigeisen) dieses Couloir hoch. Dieses teilt sich im oberen Drittel, wobei man dem rechten Richtung Gipfel weitersteigt. Am Ausstieg des Couloirs folgt kurze, leichte Blockkletterei zum höchsten Punkt.

Skidepot unter dem roten Felsen

Der Name ‘Rotondo’ soll angeblich daher kommen, dass das wider Erwarten grosszügige Gipfelplateau rund, eben ‘rotondo’ ist. Das Panorama vom Gipfel ist überwältigend und übertrifft manchen 4000er. Geht man noch etwas mathematischer an die Sache ran und berechnet die Dominanz des Gipfels, d.h. die kleinste Distanz bis zum nächsthöheren Gipfel, dann kommt für den Pizzo Rotondo ca. 10km heraus, was ihn auf Rang 54 der Schweizer Berggipfel bzgl. Dominanz bringt.

Gipfelsteinmann, Pizzo Rotondo

Doch wie kommt man mit Skiern bis zum Skidepot? Es gibt 2 Möglichkeiten:

  1. Der Normalweg führt von der Capanna Piansecco nach N einen Rücken hoch bis unter die Felsausläufer des Chüebodenhorns. Dort quert man ein Schneefeld (40 Grad, häufig lawinengefährdet) und steigt dann auf dem wieder weiter werdenden Hang der Alpe Nuova hoch Richtung Passo di Rotondo. Von dort wie schon beschrieben zum Skidepot.
  2. Da an unserem Tourentag wenig Schnee lag, war die Querung zur Alpe Nuova nur sehr mühsam über Geröll möglich, wodurch wir uns entschlossen, der Route Richtung Chüebodenhorn bis auf ca. 2400m zu folgen. Danach zweigt man nach N ab und steigt Richtung Pt. 2773 die Flanke hoch. Im oberen Bereich wird die Flanke durch Felsen zweigeteilt. Man folgt – nicht wie wir – dem linken, schmaleren Couloir (bis ca. 40 Grad). Danach leicht zum Skidepot.

Die komplette Bilderserie der Tour könnt ihr in meinem Fotoalbum finden.

Frühester Sonnenauf- und spätester Sonnenuntergang

Hüttenabende können lang sein! An einem solchen Abend kam an einer Tischrunde die Frage auf, wann genau denn der kürzeste Tag im Jahr sei. Einhellig lautete da die Antwort, das dies am Tag der Wintersonnenwende sei, normalerweise um den 21. Dezember rum. Ratlos war die Tischrunde aber als geklärt werden sollte, wieso der späteste Sonnenaufgang bzw. der früheste Sonnenuntergang nicht auch auf diesen Termin fällt, sondern auf Anfang Dezember (frühester Untergang) bzw. Januar(spätester Aufgang).

Der Effekt beruht auf 2 Tatsachen:

  1. Die Erdachse ist um 23.5 Grad zur Bahnebene geneigt.
  2. Die Erde bewegt sich auf einer Ellipse um die Sonne.

Durch den ersten Umstand steigt die Sonne jeden Tag unterschiedlich hoch auf und erreicht zur Sommersonnenwende den höchsten Punkt (für die Nordhalbkugel) und steigt danach jeden Tag weniger hoch bis zum tiefsten Punkt zur Wintersonnenwende. Vergleicht man nun Tag für Tag zur Mittagszeit die Höhe der Sonne über dem Horizont, so würde die
Sonne während eines Jahres wie ein Jojo einmal runter und wieder hoch wandern. Nun überlagert sich diese Bewegung aber mit dem zweiten Umstand: dieser bewirkt, dass die Sonne Tag für Tag nicht nur ihre Mittagshöhe verändert, sondern sich auch noch unterschiedlich schnell zu bewegen scheint. Dabei bewegt sich natürlich nicht die Sonne, sondern a)die Erde um ihre Achse und b)die Erde um die Sonne. a) ist ziemlich konstant (ca. 23Std 56min), da jedoch während eines Tages
die Erde auf der Umlaufbahn um die Sonne immer etwas weiterwandert, braucht es etwas mehr als eine Erdumdrehung, bis die Sonne für einen Beobachter am Folgetag wieder in der gleichen Richtung erscheint – nämlich ca. 24Std +/-30s.

Macht man nun immer zur gleichen Uhrzeit ein Foto der Sonne von einem fixen Standpunkt aus, so überlagern sich die vertikale (aus 1) und die horizontale (aus 2) Bewegung derart, dass bei Überlagerung aller Fotos eines Jahres die Positionen der Sonne auf einer Acht zu liegen kommen. Dies nennt man ein Analemma. Schaut man nun, wo sich zu welchen Dati die Sonne auf dem Analemma befindet, so sehen wir, dass sich während den Sonnenwenden die Sonnenposition im Kopf bzw. im Fuss des Analemmas (der Achterfigur) befindet, welches aber nicht die tiefste Position in Bezug auf den Horizont des Beobachters ist (siehe Bild).

Darum ist der früheste Untergang vor der eigentlichen Wintersonnenwende. Dieser Effekt wird übrigens umso grösser, je näher ein  Beobachter sich am Äquator befindet. Analog gilt dies für die Sommersonnenwende: Da aber zu diesem Zeitpunkt die Sonne weiter von der Erde entfernt ist als zur Wintersommerwende ist die Geschwindigkeit der Erde auf ihrer Umlaufbahn zur Sommersonnenwende langsamer (Horizontalverschiebung der Sonne pro Tag ist daher kleiner). Dadurch liegt das Datum der Sommersonnenwende näher am frühsten Sonnenaufgang als dasjenige der Wintersommerwende am spätesten Sonnenaufgang.

Es ist Zeit!

Der Kleine Mythen
Die letzte meiner Touren im 2006 führte mich auf den Kleinen Mythen. Auf dieser Tour habe ich zufällig auf dem Gipfel einen anderen Berggänger getroffen (Hallo Patric!). Da wir anscheinend beide gerne Zeit in den Bergen verbringen, kannten wir auch schon beide die einschlägigen Websites, wo man Ideen oder Tourenberichte nachlesen kann. Dabei war er zufällig auch schon auf mein altes Fotoalbum gestossen.

Kaum zu glauben: geht man doch in die Berge, wo man üblicherweise nicht gerade Menschen in Massen trifft (ok, es gibt Ausnahmen), aber gerade der eine hat auch schon mal nach Ideen in meinem Fotoalbum gesucht.

Das hat mich dazu bewegt, diese Website ein wenig auzubauen! Im 2007 fand ich nun, dass es Zeit ist, diesen Blog zu starten. Er wird mir als Tourenjournal dienen. Ich werde also versuchen, regelmässig von meinen Touren zu berichten und auch die dazugehörenden Fotos ins Album zu stellen. Mal schauen, wo das hinführt…